Wurden mit den EU Schlachtvorgaben einmal mehr die Großbetriebe bevorteilt?

Es gibt natürlich auch  Vorgaben, also Gesetze, wie Tiere geschlachtet werden sollen.  Alle Details können Sie auf der offiziellen BMEL Seite nachlesen inklusive der Links zu den Gesetzen.

Neben Vorgaben zur Betäubung, den Betäubungskontrollen, Entblutung etc. wird auch die Anforderung für einen Sachkundenachweis definiert:

SACHKUNDENACHWEIS UND TIERSCHUTZBEAUFTRAGTE

Wer Tiere tötet muss sachkundig sein. Schlachthofpersonal, das mit lebenden Tieren umgeht, muss die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten daher in einer Prüfung nachweisen. Das gilt beispielsweise für die Entladung von Tieren aus Transportfahrzeugen, den Umgang mit ihnen im Stall und die Betäubung und Tötung selbst. An großen Schlachthöfen gibt es außerdem Tierschutzbeauftragte. Es handelt sich um betriebseigenes Personal, das besondere Rechte und Pflichten bei der Sicherstellung des Tierschutzes am jeweiligen Schlachthof hat.

Quelle: “TIERSCHUTZ BEI DER SCHLACHTUNG”, BMEL.de

Es ist gut, dass es eine Überprüfung der Qualifikationen gibt, allerdings wundern  wir uns, ob diese Kenntnisse von den Mitarbeitern einsetzbar sind, insbesondere in den Mega- Fleisch – Schlachtbetrieben und unter dem gegebenen Zeitdruck? Beim Schlachten im Akkord zählt jede Sekunde, jeder Cent, wenn das Schlachten eines ganzen Schweins anscheinend nur 1,03€ kosten soll, laut den Informationen aus dem Buch “Fleisch darf uns nicht wurscht sein” von Hans-Ulrich Grimm. Abgesehen von einem “Sachkundenachweis” würden wir ein psychologisches Gutachten für jeden Mitarbeiter, der mit den lebenden Tieren zu tun hat, empfehlen.

Die Realität in den meisten Schlachtfabriken ist grausam: “Tierschutz” bzw.  eine bestmögliche Behandlung der zu schlachtenden Tiere spielt meist keine Rolle, hierfür gibt es ausreichend Belege, Berichte von ehemaligen Mitarbeitern, Videos und Bilder von Tierschutzorganisationen.

Ein Beispiel wie absurd die Fleisch – und Schlachtindustrie sein kann, ist die Tatsache, dass bis 2016 sogar hochträchtige Tiere (im 3. Trimester) geschlachtet wurden! Wie konnte so was jemals zugelassen werden? Welche Menschen sind in der Lage hoch schwangere Tiere zu schlachten und diese zu zerlegen? 

Seit 2017 gibt es nun endlich ein Gesetz, welches das Schlachten von Säugetieren im letzten Trimester verbietet. Laut dem Bericht war wohl die öffentliche Diskussion ein Auslöser: 

SCHLACHTEN HOCHTRÄCHTIGER TIERE VERBOTEN

Die Problematik des Schlachtens hochträchtiger Tiere wurde in der Öffentlichkeit diskutiert und es wurde zu einer Herausforderung für alle Wirtschaftsbeteiligten, solche Schlachtungen zu verhindern.

Seit 2017 regelt ein Gesetz, dass Säugetiere im letzten Drittel einer Trächtigkeit nicht mehr zur Schlachtung abgegeben werden dürfen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat diese Rechtsänderung vorgenommen, da aus ethischer und insbesondere tierschutzfachlicher Sicht die Schlachtung von hochträchtigen Tieren sehr kritisch gesehen wurde und die bis dahin geltenden gesetzlichen Regelungen vorsahen, dass Tiere im letzten Zehntel einer Trächtigkeit nicht mehr zum Schlachthof transportiert werden durften. Nach Fallberichten wurden auch in deutschen Schlachthöfen hochträchtige Tiere wie beispielsweise Rinder geschlachtet.

Quelle: BMEL.de

Die seit 1. Januar 2010 gültige EU Verordnung bzgl. Schlachtung hat gemäß unserer Recherchen den deutschen Markt weiter in die Arme der Mega- Fleischkonzerne manövriert und die Abhängigkeiten der Bauern zu den Fleisch-Konzernen noch weiter verstärkt.

Wir fragen und “wundern” uns, warum die Politik immer mehr und immer weiter die großen Milliarden schweren Konzerne fördert, und nicht die Landwirtschaft, den einzelnen “echten Bauern” bei seiner Viehhaltung und Vermarktung unterstützt?

Der Hintergrund ist hier in diesem Bericht von Februar 2010 wunderbar beschrieben:

Die europaweite Lebensmittelverordnung für Fleischereibetriebe wurde bereits 2004 erlassen, bisher galt allerdings eine Übergangsfrist. Nachdem die nun vorbei ist, gibt es im Landkreis nur noch sieben Betriebe, die selbst schlachten dürfen: vier Metzger und drei Landwirte, die das Fleisch direkt an ihre Kunden verkaufen.

Bei der Schlachtzulassung ging es vor allem um die Frage, ob bestimmte bauliche Voraussetzungen eingehalten werden. Kriterien sind zum Beispiel, ob es getrennte Räume fürs Schlachten und die Weiterverarbeitung gibt. Diese Voraussetzungen müssen kleine handwerkliche Metzgereien nun ebenso erfüllen wie große Schlachthöfe, bei denen täglich tausende Tiere getötet werden.

Zuständig für die Erteilung der EU-Zulassung sind die Landratsämter.…..

Im Schlachthaus nur Hausschlachtung

So habe man für die acht verbliebenen kommunal betriebenen Schlachthäusle – die meisten davon im Raum Rottenburg, Starzach und Neustetten – einen Kompromiss gefunden: Zwar sind dort nur noch Hausschlachtungen für den Eigenverbrauch erlaubt. Das Fleisch darf also nicht an Dritte verkauft werden. Für Schlachtfeste oder die traditionelle Kirbe aber müssen die Schweine nun im Schlachthof – zum Beispiel in Rottenburg oder Gärtringen – getötet werden. Doch wenigstens die Schweinehälften können vor Ort zu Leber- und Blutwurst, Würsten, Schälripple oder Kesselfleisch weiter verarbeitet werden.

Zwei Metzgereien, eine in Talheim, eine in Entringen, dürfen seit 1. Januar nicht mehr selbst schlachten. „Sie hätten großräumig umbauen müssen“, sagt Behrens, „das hätte eine Menge gekostet.“ Jetzt lassen sie die Tiere, die sie von Landwirten aus der Region kaufen, im Schlachthof töten und holen sie als Schweine- oder Rinderhälften zurück.

Zu den insgesamt fünf Metzgereien, die im Landkreis laut Behrens für die Fleischverarbeitung ohne eigene Schlachtung zugelassen sind, gehört auch die von Günther Egeler in Reusten. Der Innungsobermeister der Metzger im Landkreis lässt die von ihm in der Region gekauften Tiere schon länger in Gärtringen schlachten. Für ihn bedeutet die neue EU-Vorschrift also kaum eine Veränderung. Dennoch ist er unzufrieden. Der Betrieb in Gärtringen, wo an drei Tagen in der Woche insgesamt 800 Säue geschlachtet werden – 22 davon in Egelers Auftrag –, sei zwar „noch überschaubar“. Aber grundsätzlich gelte fürs Schlachten: „Kleine Metzgereien mit eigenem, ausgebildeten Personal machen das im Grunde besser als Großbetriebe, in denen täglich tausende Tiere im Akkord geschlachtet werden.“

„Mit der neuen EU-Norm soll jetzt alles viel besser sein, ist es aber nicht“, sagt auch der niedergelassene Tierarzt Dr. Bernd Biesinger. Er macht seit vielen Jahren die bei der Schlachtung nötige Fleischbeschau. „Der kleine Metzger muss seine Wurst selbst an die Kundschaft verkaufen, der achtet auf Sauberkeit und Qualität“, sagt der Tiermediziner über die Mechanismen der Selbstkontrolle. Das beginne bereits bei der Auswahl der Tiere. Und geht, wie Egeler sagt, bei der Tötung weiter. Voraussetzung für gute Fleischqualität sei „eine ruhige Situation“, die für die Tiere „keinen Stress“ bedeute. Denn das Stresshormon Adrenalin macht sich im Fleischgeschmack bemerkbar.

Wie viel Todesangst ein Schlachttier hat, lässt sich im Blut feststellen. So plädiert Biesinger beispielsweise für eine andere Form der Qualitätsüberwachung. Statt nach Trichinen zu suchen, die er als Fleischbeschauer in amtlichem Auftrag „noch nie gefunden“ habe, sollte man bei allen Schlachttieren Blut abnehmen und es auf Stresshormone und Medikamentenrückstände untersuchen.

Dem Tierarzt gefällt die ganze Lebensmittel-Politik in der EU nicht. Die Hygiene sei nur „vorgeschoben“, glaubt Biesinger. Es sei vielmehr politisch gewollt, dass nur noch in Großbetrieben geschlachtet wird“. Die Zentralisierung führe dazu, dass „Fleisch zur Industrieware wird.“

Metzger und Bauern brauchen einander

Der Trend zur industriellen Großschlachtung habe auch Konsequenzen für die Landwirtschaft, sagt Egeler. „Die Metzger brauchen die Landwirte aus der Region.“ Um die Qualität zu sichern, bezahle er dem Bauern einen besseren Preis als der Großabnehmer – für ein Kilo geschlachtetes Rindfleisch beispielsweise 3,60 statt 3 Euro. Werde das Fleisch indes nur noch über große Schlachthöfe vertrieben, sicherten sich Discounter die besten Chargen. „Da bleibt den Metzgern keine gute Qualität mehr“, befürchtet Egeler.

Was die EU-Norm für regionale Kreisläufe bedeutet, lässt sich, so Egeler, bereits jetzt beim Wildfleisch ablesen. Auf der Suche nach einer Wildsau hat der Reustener Metzger kürzlich festgestellt, dass ein Tier aus dem Großhandel „für den Metzger billiger ist als das Wild aus dem Schönbuch“……

Quelle: Uschi Hahn, “Hohe Hürden fürs Schlachten – EU – Verordnung macht Metzgern die Arbeit schwer”, Schwäbisches Tagblatt, vom 09. Februar 2010, tagblatt.de

Und genau durch solche EU Vorgaben wird die Macht der Mega- Fleisch Konzerne immer größer, denn sie erfüllen in jedem Fall die geforderten Kriterien: Natürlich haben Tönnies & Co. mehrere Räume in welchen die Tiere geschlachtet und verarbeitet werden, denn Tönnies & Co schlachtet im Akkord, tausende Tiere jeden Tag und Millionen Tiere jedes Jahr.

Aus unserer Sicht fehlen in dieser EU Verordnung bzw.  in der deutschen Umsetzungs- Verordnung jegliche Tierwohl Kriterien, die sich um eine maximal “entspannte” und Schmerz reduzierte Schlachtung bemühen und Kontrollvorgaben um die 100%-ige Einhaltung dieser Vorgaben sicherzustellen würden!

Den in dem Bericht genannten Vorschlag des Tiermediziners “statt nach Trichinen zu suchen, die er als Fleischbeschauer in amtlichem Auftrag „noch nie gefunden“ habe, sollte man bei allen Schlachttieren Blut abnehmen und es auf Stresshormone und Medikamentenrückstände untersuchen”  finden wir  hervorragend! Denn nur mit einer Untersuchung des Blutes und entsprechender Werte würde man feststellen können, ob und wenn ja, wie extrem die Tiere gestresst warden und wie stark deren Körper mit Medikamenten (z.B. Antibiotika) verseucht waren.

Aber:  Warum wurde dieser Vorschlag, welcher sicherlich den Landwirtschafts -Experten unserer politischen Liga bestens bekannt ist – mindestens seit 2010 – nicht umgesetzt? Was hindert die Politik, solche Kontrollen vorzugeben, welche nicht nur die Tiere, sondern auch uns Verbraucher “schützen” würden?

Wir vermuten stark, dass die Blutproben ( in welchem die Höhe der Streßhormone und die potentiellen Medikamenten-Rückstände eindeutig nachvollziehbar wären) keine  für die Verbraucher zufriedenstellenden Ergebnisse abliefern würden und somit der Fleischumsatz einbrechen könnte! Wirtschaftliche Einbußen will man selbstverständlich vermeiden….

Entsprechend würde man anhand der Blutwerte erkennen können, ob bzw. wie stark dieses “kranke System” die Tiere tatsächlich stresst und wie gesund oder ungesund das Fleisch ist. 

Unseres Erachtens beinhaltet das “kranke System” mindestens folgendes: die Mästung mit “schlechtem”, gen-manipuliertem Aufbaufutter,  Haltung zu vieler Tiere auf engstem Raum, kein Auslauf, keine Ablenkung, kein normales artgerechtes Verhalten, keine Frischluft, kein Sonnenlicht, dafür umso mehr Antibiotika, lange Lebendtier- Transporte und final eine extrem stressvolle, potentiell grausame Schlachtung unter Akkord-Konditionen! Das wollen wir nicht unterstützen! Der letzte Gang der Tiere muss so stressfrei wie möglich sein.

YouFee´s Zusammenfassung & Statement

Die gesetzlichen Voraussetzungen für Schlachtungen und die EU Verordnungen fokussieren sich wieder einmal nicht auf das Wohl der Tiere, sondern spezifizieren z.B.  Räumlichkeiten, unabhängig von der Anzahl der geschlachteten Tiere. 

So wurden systematisch kleinere Schlachtbetriebe geschlossen, weil sich ein Umbau nicht gelohnt hätte, weil sie sich den Umbau nicht leisten konnten, vor allem nicht, wenn man nicht im Akkord schlachtet.

Aufgrund dessen sind die großen Schlachtereien “nachgerückt”, und haben automatisch mehr Geschäft erhalten:  Logischerweise wurden durch die gesetzlich initiierte Reduktion der Schlachtbetriebe die Tier Transporte gesteigert, die kleinen Schlachter wurden “arbeitslos”, während parallel die Groß-Schlachter ihren Einfluss auf die Bauern maximieren konnten!

Wieso hat die EU und entsprechend unsere Politik wieder einmal zu Gunsten der Großbetriebe entschieden? 

Wieso wurde komplett ignoriert, dass es für die Tiere “angenehmer” und entsprechend für die Fleischqualität besser ist, wenn die Tiere maximal kurz transportiert werden, wenn sie kurze Wartezeiten haben und nicht im Akkord geschlachtet werden? 

Macht das einen Sinn, dass Metzger die gekauften Schweine zu einem zugelassenen, größeren Schlachthof karren müssen, um nach der Schlachtung die Tier-Hälften zur Weiter-Verarbeitung wieder zurück zu fahren, obwohl sie bis vor 10 Jahren (bis zu dieser Reform) selber schlachten durften und sich somit bestens mit diesem Handwerk auskennen?

Warum limitiert man durch solche Gesetze den Wettbewerb, in welchen sich unserer Politik ja eigentlich nicht einmischen will? 

Für uns ist das ein eindeutiger Eingriff in den Wettbewerb, zu Gunsten der Groß-Unternehmer, zu Lasten der Tiere!  

Warum wird nicht das Blut der Tiere getestet und auf Stresshormone und Medikamenten Rückstände untersucht, obwohl es hierzu seit Jahren viele Vorschläge und Forderungen gibt? Hat “man” etwa Angst, die Verbraucher würden kein Fleisch mehr kaufen, wenn sie die Blutwerte der Tiere kennen würden?

Wir wollen mit YouFee sicherstellen, dass die Tiere nicht nur artgerecht gehalten werden, sondern dass die Tiere auf kürzestem Weg zu einem Schlachthof unseres Vertrauens kommen, in welchem sie so schnell und schmerzfrei, wie dies unter diesen Umständen möglich ist, getötet und weiterverarbeitet werden. 

Für uns stehen selbstverständlich nicht die Billig-Konditionen im Vordergrund, sondern das Wohl der Tiere, auch bei ihrem letzten Gang. 

Des Weiteren wollen und werden wir die Untersuchung der tierischen Blutwerte weiter erforschen und bei vorhandenem Verbraucher Interesse einführen.

Dementsprechend suchen wir Partner im Bereich Schlachtung, Fleischzerlegung und Veredelung, die uns bei diesen Plänen unterstützen können und wollen, bitte melden Sie sich unter: partner@youfee.de.